„Der Senat“ als Gruppe aus Regierendem Bürgermeister und den Senatorinnen und Senatoren will hier offenbar nichts. Uns sind keine Äußerungen von Herrn Müller zur Berliner Allee bekannt. Anders als eine Bundeskanzlerin im Bundeskabinett hat ein Regierender Bürgermeister aber auch keine Richtlinienkompetenz.

Und die für Umwelt, Verkehr und Klimaschutz zuständige Senatorin Günther und ihr Staatsekretär Ingmar Streese machen, was ihre Verkehrsverwaltung will. Diese verschleppte die Machbarkeitsstudie und den Beginn der Umbau-Planungen so lange, bis die Straßenbahngleise erneuert werden müssen und schafft damit Argumente gegen den Umbau. Der Presse, ihrer Parteibasis und uns versuchen Günther und Streese dies dann als Beschleunigungsmaßnahme zu verkaufen. (Für wie dumm halten die uns: Über 4 Jahre nichts tun, dann vermeintlich schnellere Lösungen ankündigen, aber Monate später immer noch nicht anfangen…)

Die Antwort lautet also kurzgefasst: Weil die Verkehrsverwaltung (unbehelligt von der grünen Hausleitung) weiterhin gewaltig steigende Kfz-Mengen plant.

Um diese enormen Kfz-Mengen abzuwickeln, müssen aus Verwaltungssicht auf der Berliner Allee die vier durchgehenden Kfz-Spuren erhalten bleiben.

Diese Verkehrsmengen sollen durch drei miteinander zusammenhängende Straßenneubauten  teilweise auf die Berliner Allee geleitet werden:

  1. Verbindungsstraße Karow-B2
  2. Ortsumfahrung Malchow
  3. Tangentialverbindung Nord (TVN)

Bereits die seit langem geplante „Verbindungsstraße Karow – B2“ soll mehr Kfz-Verkehr auf die Berliner Allee lenken:

Verkehrsprognose für die geplante Verbindungsstraße Karow – B2: Dargestellt ist sind lediglich die auf der neuen Straße fahrenden Autoströme. Quelle: Planfeststellungsunterlagen SenStadtUm/SenUVK, 2014/2016, eigene Darstellung

 

Hier die Kfz-Mengen-Prognose für die geplante Ortsumfahrung Malchow:

Kfz-Prognosewerte 2030

Verkehrsmengenprognose OU Malchow. Quelle: BMVI, siehe: https://www.bvwp-projekte.de/strasse/B2-G20-BE/B2-G20-BE.html#h1_ergaenzung

Am unteren Bildrand in der Mitte der Weiße See. Dort werden 43.000 bzw. 44.000 Kfz/24 Stunden prognostiziert. Das sind 47% mehr als jetzt!

Auch die „NOR-Untersuchung“ des Senats (Verkehrliche Untersuchung zum Straßennetz im Nordost-Raum Berlins in Folge der neuen städtebaulichen Entwicklungen) von 2018 ergibt mehr Kfz-Verkehr auf der Berliner Allee.

Im Erläuterungsbericht heißt es auf Seite 36: „Durch den Bau der Verbindungsstraße [Karow – B2, Anm. d. Verf.] nimmt die Belastung, südlich der Anbindung der Verbindungstraße an die B 2, auf der B2 [also im Ortsteil Weißensee, Anm. d. Verf.] um 4.000 Kfz/24hw zu. Die Belastung der Ost-West-Verbindung durch den Ortskern Malchow [Blankenburger Pflasterweg – Dorfstr. – Wartenberger Str., Anm. d. Verf.] nimmt um 2.000 Kfz/24hw zu.“

Die Vorzugsvariante 5.1 enthält u. a. den Neubau der „Tangentialverbindung Nord“ (TVN) von der A114 nach Malchow, quer durch den Blankenburger Süden.
Wir haben mal nachfragen lassen (schriftliche Anfrage S18-25209):

(Auszug aus der schriftlichen Anfrage S18 / 25 209 vom Oktober 2020)

Das wird dann also wohl unabsichtlich passieren. Was es nicht besser macht.

Für diese zunehmenden Kfz-Verkehrsmengen sind auf der Berliner Allee weiterhin zwei Fahrspuren pro Richtung nötig. Die Umplanung der Berliner Allee im Sinne der BVV-Beschlüsse, also mit u. a. Radwegen und  durchgängiger ÖPNV-Eigentrasse ist daher aus Verwaltungssicht eine unlösbare Aufgabe.