Straßenbahnen quietschen in Kurven immer, außer bei Regen, oder? Wer schon mal in Dresden hingehört hat, weiß: Nein, Kurvenquietschen muss nicht sein. Eigentlich auch bei der BVG nicht mehr:

Da seitdem weder Senat noch BVG freiwillig Fortschritte vermelden und es weiterhin quietscht fragen Abgeordnete immer mal wieder nach, zuletzt (mit Fragen von uns) Tino Schopf (SPD) im Februar 2026. Antworten siehe hier.

Viele der sog. Laufflächenkonditionieranlagen, die das Quietschen verhindern sind außer Betrieb!
Lt. Antwort Nr. 2 funktionieren sie nur 81 bei der 231 Flexity-Fahrzeuge.

Nach jahrelangem angeblich erfolgreichem Einsatz gab es plötzlich – nach der vorigen AGH-Anfrage und Ankündigung weiterer Nachrüstungen im August 2024 – eine „Analysephase der Bestandsanlagen“. Dabei wurden – wie in vorigen Anfragen erfragt und nicht zugegeben – häufige, nicht behobene Störungen festgestellt.

Anstatt die Störungsbeseitigung zu verbessern und parallel die Störungsursachen anzugehen hat die BVG offenbar zunächst alle Laufflächenkonditionieranlagen in Flexity-Fahrzeugen stillgelegt.
Die Anwohner haben den Lärm😭
und der Senat duldet es😠

Wenn das Konditioniermittel die Ursache ist, verwundern die Antworten zu den GTZ-Fahrzeugen: Ist dort nicht dasselbe Mittel im Einsatz?
Auch hier sollten alle Fahrzeuge Ende 2022 umgerüstet sein (s. o.). Statt dessen wird immer noch „erprobt“?
Woanders wird übrigens erfolgreich, preiswert und umweltfreundlich Wasser als Schmiermittel verwendet…

In Antwort 5 wird zugegeben, dass das Kurvenquietschen bei Neufahrzeugen weiterhin nicht geprüft und überwacht wird, sondern nur die Geradeausfahrt.

Die Aussage der BVG aus der vorigen AGH-Anfrage, „dass alle Gleisbögen mit geringeren Radien in der Grundinstandsetzung mit Konditionierungsanlagen zur Reduzierung der Lärmbelastung geplant werden.“ war offenbar eine Nebelkerze, da die BVG in Antwort 7 bis 9 keinen einzigen ausgestatteten Gleisbogen benennen kann.

In Antwort 10 werden – entgegen der Frage – sog. Schienenflankenkonditionierungsanlagen benannt, die den Verschleiß reduzieren, aber das Kurvenquietschen nicht. Der extrem enge quietschende Gleisbogen zwischen Ein- und Ausfahrt des Betriebshofs Weißensee hat nicht einmal so eine Anlage.

Auch Antwort 14 scheint eine Nebelkerze zu sein. Die BVG behauptet nicht, dass sie das alles macht, nur „kann“. Vom Schienenschleifzug hieß es vor Jahren schon, er sei kaputt und die Autorin dieses Artikels hat ihn seitdem auch nicht mehr gesehen.

Die in Antwort 15 erwähnten Schallabsorber können bestenfalls die Fahrgeräusche etwas mindern. Quietschen wird es weiterhin.

Frage 17 wurde nicht beantwortet: Es werden zum Betriebshof Weißensee weder Maßnahmen noch Termine genannt. Letzens wurde vermeldet, dass die Umbauplanungen gestoppt wurden und der Betriebshof „neu gebaut“ werden solle – aber erst nach einem Planfeststellungsverfahren, frühestens in den 2030er Jahren.

In Antwort 20 streitet der Senat immerhin nicht ab, dass sich Widerstand gegen neue Straßenbahnstrecken z. B. zum Ostkreuz – u. a. aus dem Lärmproblem speist. Von einem „alleinigen Hemmnis“ war nicht die Rede.

Insgesamt ist der Eindruck, dass die BVG-Oberen die Minderung des Kurvenquietschens weder engagiert noch kompetent vorantreiben (auf unterster Ebene kann das anders sein) und der Senat als Auftraggeber sich dafür nicht interessiert – Verkehrsvertrag hin oder her.

Wäre es anders, wären (nicht nur) die in der Anfrage erwähnten Gleisbögen längst mit stationären Konditionierungsanlagen ausgestattet und es gäbe für jede neue Anlage einen Pressetermin, wo sie gefeiert wird. Die RBB-Abendschau würde Anwohner interviewen, die sich über quietschfreie Nächte freuen…

So gab es nur diese kleine Meldung in einem Newsletter des Tagesspiegels:

Wer es kennt, weiß: Je moderner die Bahn, umso eher und lauter quietscht sie – zumindest in Berlin. Die Tatra-Bahnen quietschten nur wenig. Als 2009 die ersten neuen Flexity-Bahnen in den Betriebshof fuhren, war der Schock bei Anwohnern groß – waren doch vorher besonders leise neue Straßenbahnen versprochen worden. Ja, aber nur bei Geradeausfahrt…

Das führte 2010 zur Gründung der Vorgänger-BI „Kiezgestalten Weißensee“. Neben vielfältigen anderen Bemühungen erwirkten wir über die SPD-Fraktion im Januar 2020 einen Beschluss des Berliner Abgeordnetenhauses (Drucksache 18/2337), der 2021 in den Verkehrsvertrag mit der BVG überführt wurde.

Sanktionen sind jedoch – anders als bei Verspätungen – keine vorgesehen. Der Senat fordert offenbar nicht einmal die in Anlage 1, Teil 7 des Verkehrsvertrags genannten Berichte (vgl. Frage 3 der o. g. Anfrage) an.