1. PROJEKTBESCHREIBUNG

Zum Kiezblockverfahren

Das Kiezblockverfahren Komponistenviertel wird mit viel Aufwand als mehrjähriges Planungs- und Forschungsverfahren durchgeführt. Das ist grundsätzlich zu begrüßen, man muss sich aber auch fragen, ob dieses Engagement nicht von den viel größeren Problemen an der Berliner Allee ablenken soll. Im Grunde geht es beim Komponistenviertel um die Unterbindung des Kfz-Durchgangsverkehrs in der Bizetstraße als Umfahrung der Berliner Allee. Hierfür liegen schon seit Jahren auch von uns Vorschläge auf dem Tisch, die im Rahmen eines Verkehrsgutachtens unter Einbeziehung der Bewohner umgesetzt werden könnten.

Die planerischen Kapazitäten und finanziellen Mittel wären besser bei einem fahrradgerechten Umbau der Berliner Allee eingesetzt. Das Berliner Mobilitätsgesetz fordert schließlich Radwege an allen Hauptverkehrsstraßen und für die Berliner Allee könnte externe Expertise helfen, verwaltungsinterne Blockadehaltungen zu durchbrechen.

Zum Verkehrskonzept

Die Bizetstraße weist im Bestand eine Belastung von 4.350 DTVw (Durchschnittlicher Täglicher Kfz-Verkehr in 24 Stunden werktags, also Montag bis Freitag) auf. Zahlen zum Radverkehr im Bestand liegen (noch) nicht vor. Die ampelgeregelte Kreuzung Gürtelstraße / Berliner Allee ist mit 6.610 Kfz/24 h am stärksten belastet. Die ampelgeregelte Kreuzung Rossinistraße / Berliner Allee weist nur eine Belastung von 2.000 Kfz/24 h auf (siehe Präsentation Verkehrskonzept).

Das Verkehrskonzept der 1. Stufe (inkl. Fahrradstraße) teilt das Komponistenviertel in zwei Teile entlang der Smetanastraße. Alle auf die Smetanastraße zulaufenden Straßen werden ab Herbert-Baum-Straße bzw. Lindenallee wie die Smetanastraße selbst für Kfz als Einbahnstraßen ausgewiesen. Damit wird der Kfz-Durchgangsverkehr unterbunden, auch zu Lasten einer Durchlässigkeit innerhalb des Quartiers. Alle Kfz östlich der Herbert-Baum-Straße können nur noch rechts in die Berliner Allee oder rechts in die Indira-Gandhi-Straße aus dem Komponistenviertel ausfahren.

Die ampelgeregelte Kreuzung Smetanastraße / Berliner Allee wäre nach unserer Schätzung durch die Einbahnstraßenregelung zwar nicht überlastet, ein Verzicht auf die Ausfahrt an der Smetanastraße würde aber durch Entfall der nur dafür nötigen Grünphase Leistungsfähigkeitsreserven erschließen. Diese könnten – bei entsprechendem Willen der Verantwortlichen – der Straßenbahn zugute kommen, die seit der Verlängerung des Fußgängergrüns über die Allee erhebliche Wartezeiten und Straßenbahnstau erleidet.

Das Planungsbüro rechnet damit, dass nicht alle Autofahrenden die Einbahnstraßenregelung beachten werden. Daher soll in Stufe 2 eine Diagonalsperre an der Herbert-Baum-Straße / Bizetstraße den Kfz-Durchgangsverkehr baulich unterbinden. Dieser sog. „Modale Filter“ soll durchlässig sein für Müll- und Rettungsfahrzeuge, vermutlich ausgestattet mit umlegbaren oder per Motor versenkbaren Pollern.

Kiezblock-Konzept Stufe 2: Einbahnstraßen und eine Diagonalsperre

  1. Kiezblock-Informationsveranstaltung am 9. März 2022 – Zusammenfassung

Die Kiezblock-Informationsveranstaltung am 9. März 2022 mit rd. 90 Teilnehmer:innen ist ausführlich dokumentiert unter

Die Zeitplanung wurde von Herr Brost, Projektleiter Stadtentwicklungsamt Bezirk Pankow, vorgestellt. Der Bezirk ist allein zuständig für die Umsetzung der Maßnahmen.

  • Repräsentative Befragung März & September 2022
  • Ortsbegehung des Komponistenviertel mit Projektbeirat
  • Kiezblockfonds Umsetzung ausgewählter Maßnahmen im öffentlichen Raum (Budget 50.000 €)
  • Quartal 2022 Umsetzung der Maßnahmen Stufe 1a Verkehrskonzept. Die Fahrradstraße kommt später.
  • Sommer 2022 Kiezblock-Forum zur Halbzeit des Forschungsprojekts
  • Frühling 2023 Veranstaltung zum Rückblick auf die einjährige Feldversuchsphase

Die Fahrradstraße Bizetstraße wurde von Herrn Rogahn, Fahrradstraßenplanung im Straßen- und Grünflächenamt Pankow, präsentiert.

Das Verkehrskonzept erläuterte Herr Müller-Brandes vom beauftragten Planungsbüro „stadtraum“.

Die erste Stufe (Einbahnstraßenregelung) soll noch im Sommer 2022 umgesetzt werden. Wir fordern, alle Bewohner vorab flächendeckend zu informieren.

  1. Unsere Einschätzung

Wir befürchten, dass die verkehrliche Zweiteilung des Komponistenviertels zu einem Sturm der Entrüstung der Kfz-Besitzer führen wird.

Die Verkehrsberuhigung durch gegenläufige Einbahnstraßen führt leider nicht dazu, dass Verkehrsflächen für andere Nutzungen durch Anwohner frei werden. Charme und Erfolg der auch in diesem Projekt vorbildhaft genannten Barcelona-Superblocks  beruhen vor allem in der Umwandlung von Verkehrsflächen in Spiel- und Aufenthaltsflächen. Wir fordern, dass Kiezblock-Konzept um diese Elemente zu erweitern. Dazu halten wir die Reduktion von Parkflächen und mittelfristig die Einführung der Parkraumbewirtschaftung für erforderlich.

Fahrradstraße

Wir halten nach wie vor die Ausweisung der Bizetstraße als Fahrradstraße für überflüssig, wenn der Durchgangsverkehr auf der Bizetstraße herausgehalten wird. Wir vermuten, dass die Fahrradstraße in der Bizetstraße vor allem dem Ziel dient, die parallele Berliner Allee von den vom Mobilitätsgesetz geforderten Radverkehrsanlagen (mit eigener Fahrradspur) zugunsten von zusätzlichem Kfz-Durchgangsverkehr frei zu halten.

Die Fahrradstraße Bizetstraße wird allerdings ohne fahrradgerechte und legale Anbindung an die Gartenstraße bzw. Berliner Allee geplant. Daher wird die Fahrradstraße Bizetstraße in der Luft hängen und keine verkehrliche Funktion für den Radverkehr haben. (siehe unter Beitrag dazu). Sie wird daher kein Ersatz für Radwege auf der Berliner Allee!

Die Bizetstraße soll – wie für Fahrradstraßen vorgesehen – als Vorfahrtsstraße ausgewiesen werden, was auch für die Autofahrer gilt. Wir befürchten, dass der Kfz-Verkehr auf der Bizetstraße nicht beruhigt, sondern im Gegenteil beschleunigt wird.

Beschilderungs- und Markierungsplan für eine Kreuzung mit einer Fahrradstraße, aus dem Leitfaden des Senats