3 Monate nachdem die Hausleitung SenUVK öffentlich die Einrichtung von Radwegen auf der Berliner Allee versprach, obwohl herausgekommen war, dass sie die Straße nicht etwa umbauen, sondern im Bestand sanieren wollen, haben wir mal nachfragen lassen, siehe Schriftliche Anfrage S18-25563 (PDF, mit unseren Kommentaren).

Inzwischen hat sich herausgestellt, dass es nie Umplanungen der Allee gab. Die Gleiserneuerungen der BVG wurden 1:1 durchgeführt. Die – vermutlich wegen der lange angekündigten Umbaumaßnahmen hinausgezögerten – Kanalarbeiten der Berliner Wasserbetriebe fanden imAnschluss statt.

Da die Verwaltung weiterhin, von der ehemaligen grünen Hausleitung unbehelligt, für die nach ihren Prognosen gewaltig steigenden Kfz-Mengen plant, ist aus ihrer Sicht in der Berliner Allee kein Platz für Radwege. Hier die Kfz-Mengen-Prognose für die geplante Ortsumfahrung Malchow von 2016 (neuere Zahlen sind uns nicht bekannt, dürften aber noch höher liegen):

Kfz-Prognosewerte 2030

Verkehrsmengenprognose für 2030 mit der OU Malchow (Quelle: BMVI). Am unteren Bildrand der Weiße See. Dort werden 43.000 bzw. 44.000 Kfz/24 Stunden prognostiziert. Das sind 47% mehr als jetzt!

Bereits die geplante „Verbindungsstraße Karow – B2“ soll mehr Kfz-Verkehr auf die Berliner Allee lenken:

Verkehrsprognose für die geplante Verbindungsstraße Karow – B2: Dargestellt ist sind lediglich die auf der neuen Straße fahrenden Autoströme. Quelle: Planfeststellungsunterlagen SenStadtUm/SenUVK, 2014/2016, eigene Darstellung

Auch hier sind noch (Frühjahr 2023) keine neueren Zahlen bekannt, da die aktualisierte Genehmigungsplanung noch nicht veröffentlicht ist.

Auch die „NOR-Untersuchung“ des Senats (Verkehrliche Untersuchung zum Straßennetz im Nordost-Raum Berlins in Folge der neuen städtebaulichen Entwicklungen) von 2018 ergibt mehr Kfz-Verkehr auf der Berliner Allee: Im Erläuterungsbericht heißt es auf Seite 36): „Durch den Bau der Verbindungsstraße [Karow – B2, Anm. d. Verf.] nimmt die Belastung, südlich der Anbindung der Verbindungstraße an die B 2, auf der B2 [also im Ortsteil Weißensee, Anm. Verf.] um 4.000 Kfz/24hw zu. Die Belastung der Ost-West-Verbindung durch den Ortskern Malchow [Blankenburger Pflasterweg – Dorfstr. – Wartenberger Str., Anm. d. Verf.] nimmt um 2.000 Kfz/24hw zu.“
Die Vorzugsvariante 5.1 enthält u. a. den Neubau der „Tangentialverbindung Nord“ (TVN) von der A114 nach Malchow, quer durch den Blankenburger Süden.
Wir haben mal nachfragen lassen (schriftliche Anfrage S18-25209):

(Auszug aus der schriftlichen Anfrage S18-25209 vom Oktober 2020)

Das wird dann also wohl unabsichtlich passieren. Was es nicht besser macht.

Für diese zunehmenden Kfz-Verkehrsmengen sind weiterhin zwei Fahrspuren pro Richtung nötig. Die Umplanung der Berliner Allee ist daher aus Verwaltungssicht eine unlösbare Aufgabe.

Es müsste also politische Vorgaben, z. B. eine Anweisung zur Reduzierung der Fahrpuren zugunsten des Radverkehrs geben. Die hatte Herr Thomsen (Pressesprecher der Ex-Senatorinnen Günther und Jarrasch) zwar im September 2020 angekündigt, hat die grüne Hausleitung allerdings nicht gemacht.

Wie denn der Senat, der ja stets nur Gutes will, die Auswirkungen der beabsichtigten Ortsumfahrung Malchow auf die Berliner Allee bewertet, wollten wir wissen. Mit viel Mühe und Geduld brachten wir diese Anfrage bei den Grünen unter, voller Neugier, ob das wohl Auswirkungen auf die Antworten haben würde. Lesen Sie selbst: Schriftliche Anfrage S18-25839 (PDF, auch hier mit unseren Kommentaren).